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Israelische und Jüdische Stimmen


Texte von Amira Hass

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Israels Schutznetz der Tyrannei zerreißt
Zerstörung palästinensischer Häuserhat sich verdreifacht
Die wirkliche palästinensische Konzession
IDF  - menschliche Schutzschilde
Wo ist Scheinheiligkeit hingegangen?
Wo  schlimmer für Palästinenser?
IDF bombardiert Haus voll Zivilisten
Wie übersetzt man „unschuldig“ ins Arabische?
Die Gehirntumor-Methode
Und was ist mit all den anderen Toten?
Lexikon der irreführendsten Ausdrücke
Es geht nicht nur um Zement
Import von Coriander in den Gazastreifen?
Wie ein Flugzeug ohne Pilot
Shin Bet lockt Medizinstudenten
IDF-Erlass Massendeportation von Westbank
39 Überfälle, 28 Verhaftungen - Ein normaler Tag
Palästinensische Bauern werden wie Kriminelle behandelt
Israel macht aus allen Siedler
Institutionalisierter Voyeurismus
Medienpreis - Dankesrede von A. Hass
Israel verweigert NGO-Mitarbeitern  ein Arbeitsvisum
Wir beneiden die Toten
Was schlimmer als Gazabericht dementieren
Aufschrei über Gewalt
Gazaer - Cast Lead in großen Grube festgehalten
Zugang für Ausländer verschärft.
Die israelische Armee hat Angst
Israel verweigert Einfuhr von Waren nach Gaza
Israel weiß, Frieden zahlt sich  nicht aus.
Leben zwischen den Ruinen in Gaza
Die Schrift an der Wand
Israels Geber-Konferenz
Amnesty International - kein Waffenverkauf an Israel
Kein Platz wie daheim
Verwendet(e) Israel illegale Waffen
Geschichte beginnt nicht mit  Qassams
Dies ist Gaza
Amira Haas berichtet aus dem Gazastreifen
Stärkt Israel absichtlich die Hamas?
Der Durchbruch, der nicht geschah
Die nichtssagenden Proteste der PA
Erinnerungen an  Stadtteile in Gaza
Endlich ein Volksaufstand !
Sie sehen nicht und erinnern sich nicht
Ehrenbürgerschaft auf dem Mond
Unsere gewalttätige Präsenz
Das Recht auf  Wut
Wo sind die Selbstmordattentäter?
Schlechter Geruch
Eine Geste gegenüber dem Gefängnispersonal
Wenn  die Armee an die Tür klopft
Ein Augenblick bevor das Licht erlöscht
Welcher Anschlag?
Id al-Fitr-Fest, verloren im Gazastreifen
Kilometer 41
Die Politik der Trennung brechen
Es kommt darauf an, wer foltert
Ohne Gnade in Bethlehem
Am Kontrollpunkt ein Bonbon
Gazastreifen  - zu viele Behörden
Westbank - Kein Zugang zum Wasser
Die Hebron-Taktik
Mächtig wie der König von England
Gesetz und Ordnung, und Heuchelei
Welche Feuerpause?
Der Holocaust politischer Aktivposten
Gefangene oder Kriminelle?
Ein merkwürdiges Ausland
Leben mit Verboten
Kameradschaft am Checkpoint
Oberste Gerichtshof nicht eilig
Veränderte Regierungsbestimmungen
Keine  Angeln für Palästinenser
Gefangen bis zum Tode
Die Checkpoint-Generation
Vorbereitung nächste Invasion
Bildung gibt's nicht
Recht Religionsausübung
Was sind 20 Tonnen Sprengstoff?
Für Siedler verboten – nicht für den Staat
Keine interne Angelegenheit
Im Namen der Sicherheit
Können Sie wirklich nicht sehen?
Strafe - Volkszugehörigkeit
Der Besatzer bestimmt Recht
Nicht in Nasrallahs Absicht
Die Kraft durchzuhalten
No longer afraid
Die Gefängnis-Oberaufseher
Blockierte Strassen
Abgewürgt in Gaza
Ein Volk von Bettlern
Im Hintergrund steht das Wort Rache
IDF teilt die Westbank in Kantone
Es geht nicht nur um die Olivenbäume
Verhaftet am „humanitären Tor“
Studieren in Australien?
IDF herrsch in den Krankenhäusern
Zerbrochene Hoffnung
Der erschöpfte Frosch
Israelisches Militär teert Straße
Palästinensische Behörde versagt
Talent zum Zerstören
Siedler weg, verschmutzte Wasser
Die bleibenden 99,5 Prozent
Billige Arbeit – billiger Deal
Strafe hängt von der Volkszugehörigkeit ab
Beschäftigt sich Chirac damit?
Zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit
Israels Liebe zum Gesetz
Jüdische Demokratie auf schlüpfrigem Hang
Jeder Israeli ein Siedler
Ist Tul Karem befreit worden?
Den Holocaust instrumentalisieren.
Kann man sich auf Israelis verlassen?
Komm bete mit uns und dann erzähl uns
Das Blut von Iman al-Hamas
Wer hat hier das sagen
Regelungen „Königreich der Siedlungen"
Jenseits der grossen Mauer
Dem Besatzer die Besatzung erklären

 

Können Sie wirklich nicht sehen?
Amira Hass, 30.8.06

 

Lassen wir jene Israelis beiseite, deren Ideologie die Enteignungen des palästinensischen  Volkes deshalb unterstützt, weil wir „Gottes  auserwähltes Volk“ sind.

Lassen wir auch jene Richter beiseite, die jede militärische Politik des Tötens und der Zerstörung  vertuschen (whitewash) . Lassen wir auch jene Militärkommandeure beiseite, die bewusst ein ganzes Volk in Pferche sperren, die von Mauern, Festungs- bzw. Beobachtungstürmen, Maschinengewehren, Stacheldraht und  blendenden Scheinwerfern umgeben sind. Lassen wir auch die Minister beiseite. All diese werden nicht unter die Kollaborateure gerechnet. Sie sind die Architekten, die Planer, die Konstrukteure und Ausführenden.

 

Aber da gibt es noch andere. Historiker und Mathematiker, leitende Redakteure, Medienstars, Psychologen und Hausärzte, Rechtsanwälte, die nicht Gush Emunin und Kadima  unterstützen,  Lehrer und Pädagogen, Leute, die gern wandern oder singen oder High-tech-Genies. Wozu gehören  Sie? Und was ist mit denen, die sich wissenschaftlich mit Nationalismus, dem Holocaust und den Sowjet-Gulags befassen?  Können Sie mit all den systematischen  Diskriminierungsgesetzen  einverstanden sein? Gesetze, die festlegen, dass die Araber in Galiläa  für den Kriegsschaden  keine Entschädigung erhalten wie ihre jüdischen Nachbarn (Aryeh Dayan, Haaretz, 12.8.06)

 

Könnte es sein, dass Sie alle das rassistische Bürgergesetz gut heißen, das israelischen Arabern verbietet mit ihren Familien im eigenen Haus zu leben? Könnte es sein, dass Sie für weitere Landenteignung   sind und für die Zerstörung weiterer Fruchtbaumhaine, für noch eine jüdische Siedlung und noch eine Straße exklusiv für Juden; dass Sie für das Töten durch Raketen- und Granatenbeschuss von Alten und Jungen im Gazastreifen sind?

 

Könnte es sein, dass Sie alle damit einverstanden sind, dass ein Drittel der Westbank  - das Jordantal – von Palästinensern nicht mehr betreten werden darf?  Dass Sie alle für eine israelische Politik sind, die Zehntausende von Palästinensern mit  ausländischem Pass daran hindert, zu ihren Familien in die besetzten Gebiete zurückzukehren?

 

Könnte es sein, dass Sie so sehr von dem Vorwand der Sicherheit eingenommen wurden, der benützt wird, um Studenten aus dem Gazastreifen zu verbieten, Beschäftigungstherapie in Bethlehem oder Medizin in Abu-Dis zu studieren und der kranke Leute  aus Rafah daran hindert, medizinische Behandlung in Ramallah zu erhalten?  Finden Sie es auch bequem, sich hinter der Erklärung  zu verstecken: „Wir wussten nichts davon!“  Wir wussten nicht, dass bei der allein von Israel kontrollierten Wasserverteilung Diskriminierung praktiziert wird, dass dies Tausende von palästinensischen Haushalten während der heißen Sommermonate ohne Wasser lässt; wir wussten nicht, dass wenn die IDF den Eingang von Dörfern blockierem, sie  damit auch den Zugang zu Brunnen oder Wassertanks blockieren.

 

Es kann doch kaum sein, dass Ihr  das eiserne Tor auf der Straße 344 in der Westbank nicht seht , das Palästinenser daran hindert, auf diese Straße zu gelangen. Es kann doch nicht sein, dass  Ihr eine Politik unterstützt, die Tausende von Bauern daran hindert, zu ihrem Land, zu ihren Anpflanzungen, zu gelangen, dass Ihr die Quarantäne des Gazastreifens unterstützt, die verhindert, das Medikamente für die Krankenhäuser geliefert werden können, oder  die Unterbrechung des Stroms und der Wasserversorgung für 1,4 Millionen Menschen und die monatelange Schließung ihres einzigen Ausgang in die Welt.

 

Könnte es sein, dass Ihr nicht wisst, was sich 15 Minuten entfernt von euren Hochschulen und Büros abspielt? Ist es wahrscheinlich, dass Ihr das System unterstützt, unter dem  hebräische Soldaten an Kontrollpunkten mitten in der Westbank täglich Zehntausende stundenlang bei sengender Hitze warten lassen und dann noch selektieren, dass Bewohner von Nablus und Tulkarem nicht durchgelassen werden, wenn sie jünger als 35 sind – „Los! Zurück nach Jenin!“ Bewohnern von Salim ist es nicht einmal erlaubt, hier zu sein; einer kranken Frau, die aus der Reihe tanzt, wird „eine Lektion erteilt: sie wird deshalb für ein paar Stunden verhaftet. Machsom Watch’s Platz ( am Kontrollpunkt) ist jedem zugänglich. Bei ihnen gibt es zahllose solcher Zeugnisse und  -- es ist tägliche Routine.

Es kann doch nicht sein, dass alle die, die  über jedes Hakenkreuz auf einem jüdischen Friedhof in Frankreich oder über eine antisemitische Schlagzeile in einer spanischen Zeitung entsetzt sind, nicht an solche von mir aufgezählten  Informationen kommen  und sich nicht auch entsetzen und  sich empören.

 

Als Juden  erfreuen wir uns der Privilegien, die uns Israel gibt – und die uns alle zu Kollaborateuren. Die Frage lautet:  Was tut jeder  einzelne von uns aktiv und in einer täglichen direkten Weise, um die Zusammenarbeit mit  einem Regime, das  unersättlich enteignet und unterdrückt, zu verringern. Nur eine Petition unterschreiben, genügt nicht. Israel ist eine Demokratie für seine Juden. Wir brauchen nicht um unser Leben bangen, wir kommen nicht in KZs, unser Lebensunterhalt wird nicht beschädigt und unsere Erholung  auf dem Lande oder im Ausland wird uns nicht verweigert.

Deshalb ist die Last der Kollaboration und direkter Verantwortung unendlich schwer.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

 

 

 

 

 

 

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